Das einzige, was bleibt…

…ist der Wandel, so scheint es.

Den folgenden Beitrag habe ich vielleicht 2007 in meinem blog “Im Land der Schneekönigin” geschrieben. Eine kleine Anekdote, die ich hier vor allem deshalb schreibe, weil sie dokumentiert, mit welcher Geschwindigkeit sich Helsinki verändert hat in den letzten 10 Jahren.

Mit der ganzen Familie lohnt es sich schon mal, das Auto nach Helsinki zu fahren, allein aus gepäcktechnischen Gründen. Im April hatten wir uns entschieden, für 2 Wochen die deutsche Schule und Helsinki auszuprobieren (ich liebäugelte schon damals mit dem Gedanken, der finnischen Provinz den Rücken zu kehren).

Im Vergleich zu anderen europäischen Großstädten gibt es in Helsinki keine Parkplatzprobleme (das kann man heute nicht mehr so sagen, obwohl sie sicher im Vergleich zu Berlin noch gering sind). Es gibt eigentlich schon Parkplätze, jedenfalls was Kurzzeitparken angeht. Ein Auto mal soeben zwei Wochen irgendwo unterzubringen, ist jedoch nicht so einfach. Aber am alten Hafen und in Eira am Strand gab es damals noch verwilderte Freiflächen und 24h Parkplätze. Dort stellte ich das Auto damals ab  und in den zwei Wochen haben wir es nicht einmal fortbewegt, zweimal nach dem Rechten gesehen, alles im Lot. Wir mögen Straßenbahnen und das meiste geht gut zu Fuss in der Innenstadt von Helsinki.
Am Abreisetag zurück in die Provinz machten sich Vater und Sohn auf den Weg, um das Auto und Croissants zum Frühstück zu holen. Tja, und dann kam ein Anruf, ob wir das Auto umgestellt hätten. Ich war schon damals ziemlich schusselig, aber daran hätte ich mich nun  wirklich erinnert. Also, Adrenalinstoß. Geklaut oder doch falsch geparkt und abgeschleppt?
Was nun?
Samstag früh, ich ans Telefon und die Polizei angerufen. Da nahm auch jemand ab, eine dieser ruhigen, tiefen finnischen Männerstimmen in Zeitlupe, die mir immer das Gefühl geben, ein hysterisches Huhn zu sein, auch wenn ich mir sicher bin, völlig ruhig und beherrscht zu sprechen. Er spricht kein Englisch, nein. Beim Notruf. In Deutschland hätte mich das ja nicht gewundert, aber in Finnland sprechen sogar Oma und Opa oft Englisch. Da habe ich mich dann schon gefragt, was wohl ein Ausländer ohne Finnischkenntnisse macht, bei dem es um Leben und Tod geht?

Ich also, damals noch mit Unterstützung des Wörterbuches, die Sachlage erklärt. Automarke, Kennzeichen, Baujahr. Als ich beim Baujahr eine Zahl aus dem letzten Jahrhundert nannte, meinte der Polizist gleich, dass Diebstahl eher unwahrscheinlich wäre. In Helsinki würden nur neueste und teure Modelle wie Mercedes, BMW, Porsche, Jaguar oder Lamborghini geklaut, eine veraltete Familienkutsche mit Krümeln auf dem Rücksitz eher selten.
Also die Frage nach dem Parkplatz, wo das denn gewesen wäre, doch, dass sei schon okay mit dem 24 h Parkplatz. Dann wäre das vermutlich die Straßenreinigung gewesen.
Aha, wie bitte, die Straßenreinigung?
Ja, die würden im Frühjahr die Parkplätze und Straßen fegen wegen der Staubbelastung durch Streumaterial. Zu diesem Zweck heben sie die Autos weg und setzen sie dann woanders im Viertel wieder ab.
Aha… Ob er eine Ahnung hätte, wo das denn ungefähr sein könnte mit dem Absetzen?
Es gäbe da eine Liste, auf der  Kennzeichen und Standorte vermerkt sind, er hätte aber die Faxe noch nicht durchgesehen, ich könnte ja in einer halben Stunde nochmal anrufen. Es könnte aber auch sein, dass die Liste erst am Montag kommt, denn die Straßenreinigung arbeitet am Wochenende nicht. Wir sollten einfach im Viertel ein bisschen rumsuchen, da würden wir es sicher finden.
Erst mal war ich natürlich platt. Dann war ich stolz, dass ich das alles in Finnisch hingekriegt habe. Danach haben wir uns gestärkt mit frischen Croissants von Café Ekberg und sind losgezogen, denn die Liste wurde natürlich nicht gefaxt. Wir fanden es dann ganz am Ende des langen Parkstreifens am Meer auf Hernesaari.
Alles kein Problem, kein einziger Kratzer, etwas staubig allerdings. Als es  frisch zurück aus der Waschanlage vor dem Haus stand, hatte ich irgendwie das Gefühl, ein neues Auto zu haben.

Heute ginge das nicht mehr, denn heute stehen dort brandneue Luxuswohnungen, wie auf dem Foto oben zu sehen ist. Die Penthouse Apartments, habe ich gehört, liegen zur Zeit bei 5 Millionen. Allein der Blick rechtfertigt den Preis, obwohl mir das alte Eira besser gefällt, im Original sieht es besser aus :-).

IMG_2685_eiraold

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